Enkel mit großen Plänen

Rheingauer initiiert den Nachbau des Café Orient

8. Mai 2002, Rheingau Echo (mg)

Der Lorcher Bernd Richefort mit den Bauplänen in der Werkstatt in Thüringen.

Am 12. Mai findet die 24. Nassauische Ansichtskarten-Börse im großen Saal der Wiesbadener Stadtwerke (ESWE) statt. Dort wird, als einer von vielen, auch Bernd Richefort aus Lorch, der Enkel des ehemaligen Orient-Besitzers, anwesend sein, um historische Ansichten dieses Cafés zu verkaufen.

Mit dem Verkaufserlös will der 53-jährige Richefort, der die Postkarten auf Wunsch auch signiert, die Rekonstruktion des Gebäudes im Maßstab 1:25 ermöglichen. Damit betraut wurde eine Werkstatt aus Ruhla in Thüringen, die das Modell anhand aller Luftaufnahmen, Fotos und Bauplänen (von denen fast alle verbrannt sind) anfertigen wird. Später einmal soll der Modell-Bau dem Wiesbadener Stadtmuseum übergeben werden.

Dieses Café im maurischen Stil, das einst der Hofkoch des deutschen Kaisers Wilhelm I., Alfred Georgi, nach seiner Pensionierung von dem bekannten Wiesbadener Architekten Carl Dormann unter den Eichen nahe der Platter Straße errichten ließ, war um die Jahrhundertwende ein beliebter Treffpunkt der Fremden und der Wiesbadener Gesellschaft.

Richeforts Großvater Georges pachtete das bizarr-mondäne Haus im Jahre 1914 und erwarb es später. Nachdem das Unternehmen während der Weltwirtschaftskrise 1929 Konkurs anmelden mußte, wurde es vorübergehend geschlossen und erst später von anderer Seite weiterbetrieben. 1964 fiel es der Spitzhacke zum Opfer. Heute steht an der Stelle ein mehrgeschossiger Hochbau. Im Zusammenhang mit dem Konkurs des Großvaters, dessen Todestag sich am 11.Mai zum 70 Mal jährt, sucht Richefort nach alten Einrichtungsgegenständen des Cafés, sei es Porzellan, Gläser, Bestecke, die damals von Wiesbadenern erworben wurden.

Mit dem Erlös der Postkarten soll jetzt die Rekonstruktion des Cafés, das damals ganz dem Trend der Zeit entsprach, finanziert werden. Bernd Richefort besuchte deshalb in der vorletzten Woche die Firma Mini-a-Thür in Ruhla bei Eisenach, wo bereits ein ganzer Park mit Nachbildungen berühmter Gebäude entstanden ist. Die Postkarten sind direkt über Bernd Richefort in Lorch (06775/590) zu beziehen oder auch in Rüdesheim beim Schuh- und Schlüsseldienst Feuerstein am Markt.